Die Reise von „11 volte Cornaredo“ geht weiter mit einer weiteren Episode von internationalem Rang, die an eine der faszinierendsten Begegnungen erinnert, die der Verein in den 1990er Jahren erlebt hat. Die vierte Folge der Videominiserie ist nämlich dem Doppelduell mit Real Madrid im Pokal der Pokalsieger 1993/94 gewidmet, das nach dem Gewinn des Schweizer Cups 1993 zustande kam – ein Erfolg, der die Bianconeri zurück auf die europäische Bühne gebracht hatte.
An der Seitenlinie stand damals Karl Engel, der in dieser neuen Folge interviewt wird, um einen der bedeutendsten Momente seiner Zeit bei den bianconeri Revue passieren zu lassen. Seinen Worten zufolge war der Weg in jenen Jahren das Ergebnis des Wachstums, das der Club im Laufe der Zeit aufgebaut hatte: eine Mannschaft, die reifer und solider geworden war und sich verdientermassen einen Platz auf der kontinentalen Bühne erkämpft hatte. Die Teilnahme an den europäischen Wettbewerben wurde in diesem Sinne nicht als Einzelfall erlebt, sondern als natürliche Folge einer Arbeit, die bereits in den vorangegangenen Spielzeiten wichtige Signale gesetzt hatte.
Vor Real Madrid besiegte Lugano den FK Neman Grodno, eine wenig bekannte belarussische Mannschaft, die im Hinspiel mit einem klaren 5:0 geschlagen wurde. Engel erinnert sich an diese Partie als eine sehr positive Reaktion seiner Mannschaft, die aufgefordert war, die Qualifikation sofort zu sichern und dabei ihre Qualitäten unter Beweis zu stellen.
Nach dem Sieg über Neman Grodno führte der europäische Weg von Lugano die bianconeri zu Real Madrid. Engel erinnert sich an eine erste Reaktion, die aus Überraschung, Zufriedenheit und auch unvermeidlicher Angst bestand, denn sich mit einer Mannschaft dieses Niveaus zu messen, war keine alltägliche Sache. Gleichzeitig war diese Doppelbegegnung jedoch ein Grund zum Stolz: die Möglichkeit, das erreichte Niveau des Schweizer Fussballs und von Lugano an einem der renommiertesten Namen der internationalen Szene zu messen.
Das Hinspiel, das die Spanier mit 3:1 gewannen, fand jedoch nicht in Cornaredo statt. Aus Gründen der UEFA-Zulassung wurde die Partie nämlich in Zürich ausgetragen, in einem Stadion, das Engel als kalt und distanziert beschreibt – ganz anders als jene Nähe zwischen Mannschaft und Publikum, die Cornaredo an einem solchen Abend hätte bieten können. Auch aus diesem Grund bleibt die Erinnerung mit einem Hauch von Bedauern verbunden: dem Gefühl, dass ein so faszinierendes Duell es verdient hätte, wirklich in seiner natürlichen Heimat ausgetragen zu werden.
Sich mit Stars vom Kaliber eines Hierro, Zamorano und Butragueño zu messen, bedeutete für Lugano, sich auf höchstem Niveau zu beweisen, doch Engel versuchte von Anfang an, seinen Spielern eine klare Botschaft zu vermitteln: sich nicht unterlegen zu fühlen, auch wenn man sich des Qualitätsunterschieds bewusst war. Auch im Rückspiel im Santiago Bernabéu erinnert sich der Trainer trotz des 3:0-Endstands an eine erste Halbzeit, die bis in die Schlussminuten ausgeglichen war, bevor Real seine ganze Stärke ausspielen konnte. Unweigerlich setzte sich dann die Überlegenheit der Spanier deutlich durch, ohne jedoch die Bedeutung dieser Erfahrung für den Weg der Bianconeri zu schmälern.
In Engels Erzählung hat diese europäische Begegnung auch heute noch einen Wert, der über das Ergebnis hinausgeht. Einerseits ist da das Prestige, auf einen der berühmtesten Vereine der Welt getroffen zu sein; andererseits das Bewusstsein, Lugano dank der gemeinsamen Arbeit von Mannschaft, Stab und Vereinsführung auf eine wichtige Bühne gebracht zu haben. Auch deshalb bleibt die Verbindung zwischen Engel und Cornaredo so stark: Genau dort, an der Spitze von Lugano, gelang ihm der bedeutendste persönliche Erfolg seiner Karriere, nämlich der Gewinn des Schweizer Cups.
Diese vierte Folge von «11 volte Cornaredo» erzählt nicht nur von einem Doppelduell gegen Real Madrid, sondern auch von einer Phase, in der der Verein es geschafft hatte, solide Grundlagen zu schaffen, seinen Ehrgeiz wiederzufinden und sich auch über die Schweizer Grenzen hinaus glaubwürdig zu präsentieren. In seinem Abschiedsgruss an Cornaredo vertraut Engel dem Stadion die Erinnerung an tiefgreifende Emotionen an, erkennt aber gleichzeitig an, dass jede Geschichte irgendwann unweigerlich Platz für eine neue machen muss.
Die vierte Folge von «11 volte Cornaredo» ist ab heute verfügbar.
